Hat uns Corona das Singen genommen?

Martina Prinz, Leiterin der Leondinger Musikmittelschule, im Gespräch.

Traditionell wird im Advent mehr gesungen: Für den Nikolo, an den Adventsonntagen bis hin zu klassischen Weihnachtsliedern an Heiligabend. Seit der Coronakrise wird das Singen jedoch fast schon verpönt – in Kindergärten, Schulen oder Kirchen ist es still geworden. Hat uns Corona das Singen genommen? Zu diesem Thema hat uns Martina Prinz, Leiterin der Leondinger Musikmittelschule, Rede und Antwort gestanden. 

Ist das Singen derzeit an den Schulen erlaubt?

Martina Prinz: Das Singen ist für unsere Musikklassen im Freien bzw. in sehr großen Räumen erlaubt. Am wichtigsten ist dabei die Abstandsregel, die unbedingt eingehalten werden muss. Wir können zwar nicht die ganze Stunde im Freien singen, aber für eine kurze Zeit funktioniert es doch.

Welche anderen Möglichkeiten gibt es, den Kindern Musik näherzubringen?

Im Lockdown haben manche Klassen Lieder per Video aufgenommen. Das war sehr schön und ein besonderer Weihnachtsgruß. Aber auch der Instrumentalunterricht trägt dazu bei, den Kindern Musik näherzubringen. Ich glaube aber eigentlich gar nicht, dass wir unseren Schülerinnen und Schülern die Musik wirklich näherbringen müssen, sie ist ihnen an unserer Schule sehr nahe.

Damit wir unseren Schülerinnen und Schülern aber in dieser schwierigen Zeit eine weitere Freude bereiten, haben wir einen Adventkalender auf unsere Homepage gestellt. An jedem Tag öffnet sich eine neue Tür und dahinter verbirgt sich eine kleine Überraschung für unsere Schülerinnen und Schüler. Ich freue mich selbst jeden Tag auf den Moment, wenn sich das neue Türchen öffnet.

Warum ist das Singen mit Kindern so wichtig?

Der Cocktail, der Leistung, Wohlbefinden und Kooperationsbereitschaft in uns Menschen steuert, wird von Nervenzellen des Gehirns produziert. Dieses System von Nervenzellen (Netzwerk) nennt man Motivationssystem, es sitzt im Mittelhirn.

Die Forschung zeigt, dass dieses Motivationssystem aktiviert wird, wenn wir Sport oder Musik machen. Dies gilt für das Hören von schöner Musik, noch mehr allerdings für das Musizieren, sei es das Singen in einem Chor oder Erlernen eines Instruments. Stundenkürzungen in den Fächern Bewegung und Sport sowie Musikerziehung sind deshalb für die Motivation unserer Schülerinnen und Schüler kontraproduktiv. Umgekehrt: Unsere Schülerinnen und Schüler profitieren von den vielen Musikstunden, in denen aktiv musiziert wird. Das wirkt sich nicht nur auf den Zusammenhalt der Schülerinnen und Schüler aus, auf das Klassenklima – nein, es wirkt sich auch deutlich auf die Leistungsbereitschaft aus.

Da derzeit in Kindergärten und Schulen weniger gesungen wird: Was empfehlen Sie (werdenden) Eltern, die selbst vielleicht weniger musikalisch begabt sind, um das Singen in den eigenen vier Wänden zu forcieren?

Weil Musik und Sprache über ähnliche Mechanismen verarbeitet werden, wird vermutet, dass das frühe Musikhören auch die Sprachentwicklung fördern kann. Regelmäßiges Hören von Klang und Rhythmus soll das Kinderhirn auf ein besseres Lernen und Erinnern vorbereiten.Wenn man sich wirklich unsicher ist beim Singen, kann man ja beispielsweise zu einem Lied aus dem Radio singen. Wichtig erscheint mir aber, aktiv zu singen und nicht nur passiv Musik zu hören. Seien Sie dabei nicht zu selbstkritisch – die Kinder freuen sich einfach, wenn ihre Eltern mit ihnen singen, da muss es gar nicht perfekt klingen. Advent ohne Lieder ist fast wie Weihnachten ohne Christkind. Darum hat meine Kollegin, Frau Seeber ihre Klasse gebeten, "Advent is a Leuchten" zuhause einzusingen und ihr zu schicken. Ein Kollege hat alles in mühevoller Arbeit zusammengeschnitten, sodass wir ein mehrstimmiges Lied haben. Damit hoffen wir, ein bisschen Adventmusik ins Leben der Kinder zu bringen und auch in ihre Familien. Zu Hause gemeinsam zu singen und zu musizieren, ist momentan wohl der einzige Weg, Adventstimmung herbei zu zaubern.

Was sind Ihre liebsten Lieder im Advent? Haben Sie Empfehlungen und Tipps für kleinere und größere Kinder?

Mein persönlich liebstes Lied im Advent ist: „In dem Tannwald ein Vöglein“, das mir meine Mutter oft vorgesungen hat. Es ist heute relativ unbekannt. Ich habe es auch meinen Söhnen vorgesungen, die es jedes Jahr wieder singen wollen. Ist es nicht so, dass wir die Lieder am liebsten mögen, die uns schon unsere Mütter und Väter vorgesungen haben? Weihnachten ist ein Fest, an dem wir uns gerne an früher erinnern, uns nach dem Zauber der eigenen Kindheit sehnen.
Mein Tipp daher: Singen Sie mit Ihren Kindern gemeinsam in der Weihnachtszeit. Schaffen Sie Ihren eigenen Kindern Erinnerungen. Es müssen nicht immer neue Lieder sein, man freut sich über die alten bekannten, die vielleicht in einer bereits zerfledderten Mappe liegen und die einfach jedes Jahr wieder Freude bereiten. Es geht nicht um Perfektion oder darum, wie „richtig“ man singt – es geht um die Gemeinschaft, das Zusammen – Feiern und die Freude aneinander und miteinander.
Wir werden heuer im Freien singen, um uns bestmöglich zu schützen. Es wird kürzer sein und ein bisschen kälter, aber wir werden singen. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Musik, Ihrer Schule und von Leonding?

Wir wünschen uns alle, dass wir wieder so viel wie bisher singen dürfen, ohne Auflagen, ohne Masken, ohne Besuchereinschränkungen und ohne Abstand. Jedes Jahr hatten wir vor Weihnachten viele Auftritte, Krippenspiele, Weihnachtsfeiern. Ich freue mich auf die kommenden Musicals, musikalischen Wettbewerbe und auf Feste und Feiern in unserer Schulgemeinschaft. Auch darauf freue ich mich, dass Nähe wieder lebbar wird, Kinder sich austoben dürfen, ohne Rücksicht auf Abstandsregeln nehmen zu müssen. Ich wünsche mir, dass alle in unserer Schulgemeinschaft diese Gesundheitskrise gut überstehen und dass niemand schwer an Corona erkrankt. Für unsere Schule wünsche ich mir, dass der Zusammenhalt innerhalb unserer kleinen Welt weiterhin so gut funktioniert. Wir haben tolle Schülerinnen und Schüler, auf die wir wirklich stolz sein können. Sie haben in den letzten Monaten durch ihre Disziplin dafür gesorgt, dass wir sehr gut durch die Krise gekommen sind. Einen wichtigen Anteil daran haben aber auch meine Kolleginnen und Kollegen, denen ich nicht genug danken kann für ihr Engagement. Bei manchen frage ich mich, wann sie eigentlich schlafen und sich erholen. Viele arbeiten rund um die Uhr, ein Wochenende ist längst kein Wochenende mehr. Daher wünsche ich mir für uns alle auch einmal ein bisschen Ruhe und Entspannung. Der Stadt Leonding möchte ich danken für die große Unterstützung und das offene Ohr für die Anliegen unserer Schülerinnen und Schüler.

Weil Sie von Wünschen gesprochen haben, einen Wunsch haben wir schon noch: Wenn es Corona wieder zulässt, wünschen wir uns einen Besuch der Bürgermeisterin an unserer Schule. Unser Zeitungsteam, also meine Jungjournalist*innen, das sind vier Schülerinnen und Schüler einer dritten Klasse, würden sich dann auch über ein Interview mit ihr freuen.Eine Einladung wird demnächst auf ihrem Schreibtisch landen.

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