Die Perchten – reine Schreckensgestalten oder vielleicht doch gutherzige Wesen?

Was hat es mit den Perchten auf sich? Wer steckt hinter den gruseligen Masken? Was ist der Unterschied zwischen Krampus und Percht? Jagen uns Perchten nur Angst ein, oder haben sie eigentlich auch einen positiven Hintergrund? All diese Fragen und noch viele mehr werden heute am Blog Leonding beantwortet!

Fotos: Linzer Perchten

Der Leondinger, David Sauschlager ist seit 2013 stolzes Mitglied der Linzer Perchten, welche in coronafreien Jahren bis zu 19 Perchtenläufe durchführen. Einer der Fixpunkte ist natürlich immer der Leondinger Adventmarkt. Das Ziel des Vereins ist den uralten Brauch weiterzuleben und weiterzugeben. Sauschlager hatte schon früh den Wunsch einmal ein Percht zu werden. „Ich hatte immer panische Angst vor den Perchten, deshalb wollte ich auf die andere Seite blicken. Die meisten Menschen haben großen Respekt vor den zotteligen Gesellen, weil sie ihnen nicht in die Augen schauen können. Wenn sich Kinder vor mir fürchten, nehme ich immer die Maske ab und rede mit ihnen. Wobei ein Kind sogar einmal zu weinen begonnen hat, erst nachdem ich die Maske runtergegeben habe!“, erzählt der Leondinger lachend.

Woher stammt der Brauch der Perchten?

„Der Name ‚Percht‘ leitet sich von ‚Frau Berchta‘ ab. Sie gilt als Schicksalsfrau und als Seelenbegleiterin. In ihrem Gefolge befinden sich ungetaufte Kinder, so übt sie Kontrolle aus und achtet auf Ordnung. Daher sind Perchten eigentlich weibliche Gestalten, welche in den Rauhnächten unterwegs sind“, so Sauschlager über die Herkunft des Brauchs.

Die Perchtenläufe

„Vor einem Lauf treffen wir uns im Perchtenkeller und starten mit einer kurzen Besprechung. Da jeder für sein Fell selbst verantwortlich ist, wird dieses vorher noch gepflegt. Auch die Haare der Maske bürste ich vor dem Auftritt gründlich durch. Beim Auftrittsplatz angekommen sehen wir uns im Vorhinein gut um. Wir schauen, ob es irgendwelche Hindernisse gibt und wie die generelle Stimmung am Adventmarkt ist. Circa 45 Minuten vor dem Start gehe ich mich umziehen, weil ich es nicht mehr erwarten kann. Das Anziehen der Schuhe, Felle und das Befestigen der Rasseln ist immer eine große Herausforderung. Man fühlt sich ein bisschen wie ein Kind, dass sich noch nicht selbstständig anziehen kann, weil man hierbei unbedingt einen Helfer braucht!“, erklärt Sauschlager über die Vorbereitungsarbeiten. Fertig angezogen nehmen sie nach einer kurzen Lagebesprechung Aufstellung. Zu diesem Perchtenverein zählen auch einige Hexen, welche den Lauf, begleitet von Rauch und mystischer Musik, eröffnen. „Neben ungefähr sechs Hexen haben wir bei jedem Lauf auch eigene Ordner mit, welche die Zuschauerinnen und Zuschauer zu Beginn von den Perchten abtrennen. Das Ziel der Perchtenläufe ist ganz klar das Brauchtum weiterzuleben. Ein bisschen Spaß und Leute schrecken gehört hier allerdings auch dazu. Jede und jeder reagiert auf Perchten ganz anders, weshalb man immer genau wissen muss, wie weit man gehen darf. Für das Publikum ist äußerst wichtig zu wissen, dass sie Perchten immer von vorne entgegen gehen müssen. Durch die Maske sehen wir nämlich noch weniger als ein Pferd mit Scheuklappen. Zupft uns jemand von hinten an, dreht man sich natürlich reflexartig um, was durch die oftmals langen und spitzen Hörner sehr gefährlich werden kann. Daher bitten wir hier um erhöhte Vorsicht!“, betont Sauschlager. Bei den Perchtenläufen wird oft auch ein Perchtenspiel aufgeführt. Hier gibt es immer einen Teufel, Bub, Erzähler und Nikolaus, welche ein Wechselspiel von Gut und Böse darstellen. „Das Interessante hierbei ist, dass die Geschichte beliebig interpretiert werden kann. Das ist das Schöne an diesem Brauchtum!“, erzählt er begeistert.

Was ist der Unterschied zwischen Percht und Krampus?

„Der Krampus begleitet den Nikolaus und bestraft mit seiner Rute die unartigen Kinder. Erkennen kann man den Krampus an seinen zwei Hörnern und der roten Maske. Der Percht im Vergleich dazu hat eine heraushängende Zunge, zumeist vier oder mehr Hörner und die Masken sind traditionellerweise in Naturtönen, wie braun“, so der gelernte Maschinenbautechniker. Außerdem ist einer der größten Unterschiede, dass die Perchten nicht bestrafen. Mit leichten Pferdeschwanzhieben wollen sie das Böse abstreifen und Glück bringen. Ein Klaps auf den Hintern verleiht laut der Sage sogar Fruchtbarkeit. Zusätzlich tragen Perchten einen Overall beziehungsweise Zweiteiler bestehend aus Felljacke und -hose aus echtem Schaf- oder Ziegenfell und Kuh- oder Balkenglocken. „Rasseln und Schellen werden nur von den sogenannten ‚Schiachperchten‘ getragen. ‚Schönperchten‘ hingegen haben kleine Kuhglocken, diese kennt man beispielsweise vom Ebenseer Glöcklerlauf. Bei den Linzer Perchten sind wir allerdings nur Schiachperchten!“, berichtet der 22-Jährige. Sichtlich stolz ist Sauschlager auch auf seine neue Perchtenmaske. Diese werden von Wolfgang Gangl aus St. Johann im Pongau per Hand aus Zirben- oder Lindenholz gefertigt und mit Ziegenbock-, Steinbock- oder Widderhörnern bestückt. Erst heuer hat sich der Brauchtumsliebhaber eine Neue anfertigen lassen. Der begabte Maskenschnitzer ist für seinen besonderen Stil bekannt, weshalb Insider eine Gangl Maske sofort erkennen.

Wie kann ich ein Percht werden?

Bei Interesse können sich die Leondingerinnen und Leondinger gerne beim Obmann der Linzer Perchten, Reinhard Pointner (+43 676 798 42 90), oder dem Stellvertreter, Thomas Gottinger (+43 677 612 294 90), sowie über eine Mail an office@linzerperchten.at melden!

Nähere Infos unter: www.linzerperchten.at

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